Mittwoch, 9. Juli 2014

Ein denkmalwertes Zeugnis der Bistumsgeschichte


Einführung in die Geschichte der St. Hedwigs-Kathedrale

Die St. Hedwigs-Kathedrale zu Berlin spiegelt in ihrer Gestalt die Geschichte der katholischen Kirche im Erzbistum Berlin besonders deutlich wieder. In Brandenburg/Preußen, das nach der Reformation vom protestantischen Glauben geprägt war, markierte der Bau der St. Hedwigs-Kirche (Grundstein 1747, Weihe 1773) in der Regierungszeit von Friedrich II. den Wiederbeginn katholischen Lebens in Berlin und Brandenburg.

St. Hedwigs-Kathedrale um 1870 mit Ziegeldeckung







St. Hedwigs-Kathedrale mit Dachlaterne vor dem 2. Weltkrieg
Im Jahre 1930 wurde das Bistum Berlin errichtet, das 1994 zum Erzbistum erhoben wurde. Umbauten vor und nach der Erhebung des Gotteshauses zum Bischofssitz haben vielfältige Spuren hinterlassen. Während des 2. Weltkriegs wurde die St. Hedwigs-Kathedrale zerstört.
Innenraum und Krypta brannten nach Luftangriffen in der Nacht zum 2. März 1943 aus. Nur die Außenmauern und die Säulenkerne blieben erhalten.


Ruine der St. Hedwigs-Kathedrale nach dem 2. Weltkrieg

Bischof Weskamm (Bischof von 1951 bis 1956) setzte sich in der durch Sektorengrenzen geteilten Stadt Berlin für den Wiederaufbau als "Kathedrale auf den Schnittlinien" ein. Mit dem Bau in Anlehnung an die ursprüngliche Form des barocken kuppelüberwölbten Rundbaus wurde 1952 begonnen. Im Mai 1955 beauftragte Bischof Weskamm den renommierten Professor der Düsseldorfer Kunstakademie, Hans Schwippert, mit der Gestaltung des Inneren der St. Hedwigs-Kathedrale. Für die Anliegen der Liturgischen Bewegung, die in den Ergebnissen des II. Vatikanums Ausdruck fanden, wurde in dieser besonderen Raumschöpfung bereits vor Abschluss des Konzils eine Lösung gefunden, die Offenheit mit vertikaler Verbindung kombiniert. 

Die St. Hedwigs-Kathedrale als geschütztes Denkmal

Aus der Sicht des Denkmalschutzes (Landesdenkmalamt, Dr. Schulte) gehört "der innere Ausbau von St. Hedwig zu den bedeutenden Leistungen kirchlichen Wiederaufbaus nach 1945. Die Gestalt und die weitgehend erhaltene Ausstattung der Zeit um 1960 (…) sind ohne Parallele. Der Wiederaufbau ist vor allem hinsichtlich des Innenausbaus von hoher liturgie- und zeitgeschichtlicher Bedeutung." Neben der äußeren Bauform aus der barocken Gründungszeit steht deshalb in gleicher Weise die einzigartige moderne Innengestaltung unter Denkmalschutz, um bewahrt und gepflegt zu werden. 
Berlin/Denkmalliste/St. Hedwigs-Kathedrale

Im Denkmalrecht wird Religionsgemeinschaften bei religiös genutzten Denkmalen ein besonderes Mitspracherecht eingeräumt. Manche sehen darin eine Möglichkeit, wegen der ihnen nicht genehmen Öffnung zur Unterkirche, den Denkmalschutz aufzuheben und die geschützte Gestaltung entfernen zu können.
Prof. Kappel (Humboldtuniversität zu Berlin) schreibt dazu (s. kunsttexte.de, Nr. 2, 2014) Was von den Aufbrüchen des 20. Jahrhunderts bleibt ... - edoc
"Durch das Wiedereinziehen der zentralen Kryptadecke würden wir ein weltweit einzigartiges kirchliches Raumgefüge verlieren. Was ebenso schwer wiegt: Eine Gestaltung, die von den Katastrophen, Hoffnungen und Aufbrüchen des 20. Jahrhunderts Zeugnis ablegt, würde gleichsam dem Auge entzogen und ihres herausfordernden Gehaltes beraubt. Die Öffnung in St. Hedwig ist ein Fenster in die Geschichtsschichten und Gedenkkultur der katholischen Kirche."

Zukunft oder Ende der denkmalwerten Geschichte der Kathedrale von St. Hedwig

Im Ergebnis eines vom Erzbistum Berlin ausgelobten Wettbewerbs, an dem sich 169 Architekturbüros mit eingereichten Arbeiten beteiligten, hat eine Jury aus 19 Fach- und Sachpreisrichtern am 30. Juni 2014 ihre Position bezogen und aus den 15 nach Vorauswahl detaillierter ausgearbeitet worden waren, die ihrer Ansicht nach beste Lösung benannt und prämiert.
Bis zum 30. Juli 2014 werden der Siegerentwurf und alle übrigen Arbeiten des Wettbewerbs in der Kathedrale und im Bernhard-Lichtenberg-Haus ausgestellt.
Wenn der von der Jury ausgewählte Vorschlag umgesetzt werden würde, wie es die Wettbewerbsordnung zusichert, wäre die bislang denkmalgeschützte Innenraumgestaltung zerstört.  
Allerdings ergäben sich keine Einsparungen gegenüber fachgerechter Pflege des ererbten Denkmals. Der Verlust des Denkmals führte obendrein zu erheblich höheren Kosten, über die das Erzbistum nicht verfügt und die es deshalb durch Spenden einwerben müsste. Potenziellen Geldgebern, den mittelbaren Investoren für Erhalt und Sanierung oder Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale, wird daran gelegen sein, Informationen zu gewinnen, Meinungen auszutauschen und Standpunkte darzulegen.

Derzeitiger Zustand der St. Hedwigs-Kathedrale in der Gestaltung nach dem Wiederaufbau 

Ein digitales Instrument zur Vorbereitung persönlicher Kommunikation

Mit diesem Blog soll eine Plattform zum Gedankenaustausch zur Verfügung stehen. 
Es können schriftliche Unterlagen (Quellen, Presseartikel, wissenschaftliche Arbeiten etc.) gesammelt werden, die dann für Interessierte leichter verfügbar sind. Falls sie im Netz öffentlich zugänglich sind, wird auf die entsprechende Stelle im Internet mittels Link verwiesen. Nur zeitweise oder eingeschränkt zugängliche Beiträge werden hier als vollständige Zitate mit Quellenangaben zu den jeweiligen Autoren als unkommentierte Posts bereitgestellt (Zitate und Links als Posts von Theo Candor). Derartige Informationen bilden die Grundlage zur Diskussion spezieller Fragen.
Es ist zu hoffen, dass viele Gläubige ihre Erfahrungen und Erwartungen schildern. Diese Meinungsäußerungen mögen beim Leser eigene Gedanken wecken und Beiträge zu unterschiedlichen Themen auslösen.
So könnte ein elektronisches Vehikel im Internet mithelfen, in den Gemeinden engagierte Gespräche über die Zukunft unserer Bischofskirche zu führen, die sicher Fragen der Liturgie, der Geschichte, des Glaubens, der christlichen Tugenden und vielleicht auch der kirchlichen Institutionen berühren werden.


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