Der denkmalgeschützte Innenraum der Hedwigskathedrale, 1963 von Prof. Hans Schwippert geschaffen, seit 2018 geschlossen und im Zuge eines Radikalumbaus in Verantwortung von Erzbischof Koch zerstört.

Donnerstag, 30. April 2026

Wird Erzbischof Koch wieder Kulturgut vernichten?

Die Nacharbeiten der ersten Denkmalzerstörung laufen noch 

Nachdem Erzbischof Koch das 1963 vollendete „Gesamtkunstwerk“ im Inneren der Hedwigskathedrale „vollständig vernichtet“ hatte, meinte er wohl, ostdeutsche Geschichte im Erzbistum Berlin ausgelöscht zu haben, obwohl er damit in Wahrheit ein Zeugnis gemeinschaftlichen, gesamtdeutschen Wiederaufbaus zerstören ließ.

Dass das "Gesamtkunstwerk" "vollständig vernichtet" wurde, definierte das Erzbistum Berlin selbst schriftlich durch seine Rechtsvertretung vor dem Landgericht Berlin (s.unten).

Dabei haben sich die kirchlichen Verantwortlichen offensichtlich hoffnungslos überhoben, denn die seit 2013 von Woelki und Koch betriebene Schleifung denkmalgeschützten Kulturguts ist nach 8-jähriger Bauzeit 2026 noch immer nicht abgeschlossen. Um welchen Betrag die Baukosten, die bisher eingestandenen 80 Mio. Euro übersteigen werden, wird vom Erzbistum Berlin noch nicht bekanntgegeben.

Drei zu DDR-Zeiten gebaute Kirchen sind nun Baudenkmale 

Die inzwischen zerstörte Gestaltung der Hedwigskathedrale stammte vom Düsseldorfer Architekten Prof. Hans Schwippert. Auch Künstler aus Westdeutschland (Anton Wendling, Fritz Schwerdt und Hubertus Förster) hatten an der Innengestaltung mitgewirkt.
Dagegen wurden die kirchlichen Gemeindezentren in Ostberliner Neubaugebieten nur mit westdeutschen Geld finanziert. 
Entwurf, Gestaltung und Bauausführung oblag allein Institutionen und Akteuren aus der DDR. Zur Finanzierung war die Katholische Kirche gezwungen, mit dem staatlichen Außenhandelsunternehmen „Limex Bau-Export-Import“ einig zu werden, das dem Einflussbereich des Wirtschaftsfunktionärs und MfS-Obersts Alexander Schalck-Golodkowski zugeordnet war. 
So hat das Landesdenkmalamt Berlin die 2026 unter Denkmalschutz gestellten Gebäude unter dem Begriff „Limex-Kirchen“ zusammengefasst.

Wird Erzbischof Koch wieder Kulturgut vernichten, 
wie er es schon bei Berlins Hedwigskathedrale anordnete?

Nun wird also die Geschichte der Katholischen Kirche in der DDR von Denkmalen repräsentiert, die für die Kooperation von kirchlichen Stellen mit devisenbeschaffenden DDR-Funktionären stehen. 
Gestaltung und Bauausführung zeigen den Stand der Technik und die künstlerische Qualität in der DDR.

Ausweis der Leistungsfähigkeit des Bauwesens der DDR 

Dumm gelaufen. Ein Zeugnis gesamtdeutscher Kunst wurde von der kath. Kirche zerstört; stattdessen hat das Erzbistum Berlin nun drei Gebäudekomplexe als Denkmale im Bestand, die dem 1978 beschlossenen „Sonderbauprogramms der DDR für kirchliche Einrichtungen“ ihre Entstehung verdanken. Die Bauakademie der DDR beschrieb die Ergebnisse in einer zeitgenössischen Publikation folgendermaßen:

„Die Bauakademie der DDR als führende Forschungs- und Entwicklungsinstitution des Bauwesens hat sich von Anfang an dieser Aufgabe angenommen. Die in mehr als Jahren projektierten und ausgeführten Gebäude sind ein Nachweis der Leistungsfähigkeit der Bauakademie auch auf dem Gebiet der Projektierung.
Die umfangreiche Forschungskapazität sowie die langjährigen Erfahrungen der Bauakademie in allen Bereichen des Bauwesens werden zweckentsprechend auch für die Projektierungsaufgaben eingesetzt. Damit können wir unseren Auftraggebern bautechnische und bauwirtschaftliche hochwertige Lösungen unter Berücksichtigung aller Wünsche anbieten.“

Beim Abriss des Bernhard-Lichtenberg-Hauses erwies sich dessen Bauqualität

Dass das Eigenlob der Bauexperten der DDR nicht ganz unberechtigt war, bestätigten ausgerechnet die von Erzbischof Koch beauftragten Planer und Baufirmen, als sie sich beim Abriss der intakten und stabilen Konstruktionen vollkommen verkalkulierten. Der Abriss des von DDR-Baufirmen im Grundwasserbereich gut gegründeten Anbaus zog sich über 18 Monate hin, kostete Unsummen und führte zu Gründungsproblemen beim Ersatzneubau.

All die Peinlichkeiten, Unfähigkeiten und Geldverschwendungen der jetzigen kirchlichen Bauherren und ihrer Beauftragten wurden bereits in früheren Blog-Beiträgen thematisiert:

2019-04_Erzbischöfliches Penthouse in Berliner Toplage 

2023-04_Immernoch bohrt Heiner Koch im Wasserloch 

2023-06_Erzbischof Koch täuscht Grundsteinlegung vor 

2023-07_Erzbistum Berlin wird privatisiert_Immobilien und Kunst vermarktet die Bistumsleitung

Umdeuten oder Abreissen? 

Wird nun Erzbischof Koch mit den modernen sakralen Baudenkmalen von den Erfolgen der DDR-Bauwirtschaft künden lassen oder wieder nach Wegen suchen, gesetzlich Geschütztes durch Abriss zu vernichten? 
Die DDR-Bauten als Triumph der kapitalistischen Marktwirtschaft über das Leben kath. Gemeinden im Sozialismus umzudeuten, wird viel Propagandaarbeit des Erzbistums Berlin erfordern.

In der völlig entleerten Hedwigskathedrale gibt es nichts mehr zu sehen. Touristen haken diesen Ort nach kurzem Sightseeing enttäuscht ab. 
Vielleicht bieten sich die Limex-Kirchen als exotische Sehenswürdigkeiten an, um mit Trabi-Safaris in DDR-Nostalgie zu schwelgen. 
Alles, was Aufmerksamkeit erregt, wird der dem öffentlichen Interesse entschwindenden Katholischen Kirche sicher gelegen kommen.

 

Erzbistum Berlin bekannte schriftlich, das "Gesamtkunstwerk" "vollständig vernichtet" zu haben

"Im Zuge des geplanten Umbaus der St. Hedwigs-Kathedrale wird das streitgegenständliche Gesamtkunstwerk der Urheber vollständig vernichtet." 
Dieses Zitat ist der Stellungnahme der Rechtsvertretung des Erzbistums Berlin (Leitung Erzbischof Dr. Heiner Koch) vom 28.06.2019 im Urheberrechtsverfahren vor dem Landgericht Berlin entnommen (s. Absatz 1 der beigefügten ersten Seite des Schreibens).

Seite 1 der Stellungnahme der Rechtsvertretung des Erzbistums Berlin 
vom 28.06.2019 im Urheberrechtsverfahren vor dem Landgericht Berlin


 

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