Der denkmalgeschützte Innenraum der Hedwigskathedrale, 1963 von Prof. Hans Schwippert geschaffen, seit 2018 geschlossen und im Zuge eines Radikalumbaus in Verantwortung von Erzbischof Koch zerstört.

Sonntag, 31. Mai 2026

Sankt Hedwig Mitte Berlin_Kult um ein Rohr

Das Rohr als Kern des Kults

Nach dem Radikalumbau von Sankt Hedwig zu Berlin dreht sich nun alles um ein Rohr. Die hohle Stange aus Stahl bildet im Mittelpunkt der runden Kuppelhalle das Zentrum des Kults. Um das ca. 90 cm lange Rohr in senkrechter Position zu halten, wurde es auf ein quadratisches Stahlblech geschweißt (s. Abbildung). 
Dieses rohrtragende Blech wurde auf einer neu eingezogenen Stahlbetondecke verankert, die den einst großzügigen Kirchenraum, der Ober-und Unterkirche verband, jetzt zerteilt und verengt. 

Das zentrale Objekt des Kults in Sankt Hedwig Mitte Berlin

Versteckt im Kuriosum einer erstarrten Wippe

Über das technisch anmutende Rohr wurde ein mittig aufgebohrter Betonblock in geometrischer Halbkugelform gestülpt. Um ein Wanken und Schwanken des mit der runden Seite nach unten positionierten Objekts zu verhindern, musste es starr mit dem zentral verankerten Rohr verbunden werden. Nun ist die Seele des exorbitant teuren Umbaus von einer hellen, gescheckten Terrazzobetonfigur kaschiert.

Etwas Rundes, was sich weder dreht noch kippen lässt – ein Joke für Kinder?

Die auf einem Punkt zu balancieren scheinende Betonhalbkugel wirkt wie ein Objekt paradoxer Physik, das aus einer Technikausstellung für Kinder ausgeliehen wurde. Aber das Interesse schwindet schnell. Denn es ist nicht erstraunlich, dass sich nichts bewegt, da alles arretiert ist. Das verborgene Rohr ist wie ein interner Eiszapfen, der Erstarrung bewirkt. 

Eine neue Figur für einen neuen Kult

Davidsstern, Halbmond und Kreuz symbolisieren die drei abrahamitischen Religionen. Nun hat sich der Berliner Erzbischof Koch offensichtlich vom Kreuz distanziert und es sowohl vom sog. "Altar", als auch von der Kirchenkuppel entfernen lassen. Stattdessen hat sich Koch vom österreichischen Designer Zogmayer ein Rohr und eine Halbkugel als Kennzeichen eines neuen Kults aufschwatzen lassen.
 
Der Kult, der im brachialen Umbau des Hedwigskathedrale – 
in der Reduktion bis zur Leere – seinen Ausdruck fand, ist eine nihilistische Sicht auf ein zum Nichts reduziertes Universum. Da gibt es auch keinen Platz mehr für Gott.
Demnach sind Halbkugel und Rohr noch nicht die Essenz des neuen Kults, sondern die Leere im Inneren des Rohrs.
Dieses Nichts wird nächstens nirgends niemand nennen.