Der denkmalgeschützte Innenraum der Hedwigskathedrale, 1963 von Prof. Hans Schwippert geschaffen, seit 2018 geschlossen und im Zuge eines Radikalumbaus in Verantwortung von Erzbischof Koch zerstört.

Dienstag, 30. September 2014

Die Woelki-Arena – ein Denkmal für den hohen Gast

Große Herren hinterlassen Monumente, schenken dem Volk ihre gebauten Visionen.
Die Untergebenen können es ihnen nur mit Ehrenbezeugungen danken.

Friedrich der Große
der Initiator des Baus der St. Hedwigskirche, 
wurde in der Widmung über dem Portikus 
in goldener Schrift verewigt.

Dann sollte der Auslöser des geplanten Umbaus der Kathedrale,
der sie in emotionslosen Formen der Mode der Zeit anpassen will,
für seine zu erwartende Hinterlassenschaft in Berlin
mit einer neuen Bezeichnung seines Werks benannt bleiben:
Woelki-Arena

So könnte die Erinnerung an den hohen Gast, 
der für eine bemessene Zeit in Berlin weilte 
und nun seiner wahren Bestimmung in der heiligen Stadt Köln folgt, 
einen Schimmer seines Glanzes auf die Zurückgebliebenen werfen.
Die Anregung zu dem treffenden Namen, der den Entwurf so bildhaft beschreibt, ist einem Artikel des Tagesspiegels zu verdanken, der das Wettbewerbsergebnis reflektierte. Gott-in-der-Arena_Hedwigskathedrale-in-Berlin_Tagesspiegel
Blick in das Modell zum Siegerentwurf des Umbauwettbewerbs

Die Analogie bei den Großen

Im direkten Nebeneinander dieser großen Namen würde die frappante Verwandtschaft
der Leitungsstrukturen in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern offenbar werden.
"Der aufgeklärte Absolutismus im 18. Jahrhundert …   
Der aufgeklärte Herrscher regiert als "erster Diener des Staates" seine Untertanen nach vernünftigen Prinzipien ("Nichts durch das Volk, alles für das Volk!"). Durch "Revolution von oben" entsteht der absolutistische Staat mit moderner Bürokratie und geordnetem Rechtswesen." (H. Kinder und W. Hilgemann; dtv-Atlas Weltgeschichte, Band 1; Deutscher Taschenbuch Verlag; 32. Auflage 1998)
Das Fürstliche der klerikalen Hierarchie erinnert heute, in der demokratischen Gesellschaft
des 21. Jahrhunderts, an gute alte Zeiten. Vorgegebene Richtlinien wirken auf manche halt gebend, behütend und das Gewissen entlastend. 
Um dem Nostalgischen dieser Leitungsstruktur das Altbackene zu nehmen, wird von den Leitenden auf modisches Ambiente wert gelegt. 


Moderner Kirchenbau allein macht die Kirche noch nicht besser
(Bischöfliche Privatkapelle im Haus des Bischofs von Limburg)

Dazu dienen neue Formen, "von oben" angestoßen, aber vermeintlich "für das Volk" mit Instrumenten moderner Bürokratie (Wettbewerb) durchgesetzt. 
So fühlt sich das lauschende Kirchenvolk in eine zukunftsorientierte Gegenwart versetzt.
Was hilft es jedoch, in unmittelbarer Nähe des Entscheiders sitzen zu dürfen, wenn nur dessen Stimme zu hören ist und immer zähltSo kann ein verordneter Stuhlkreis auf gleicher Höhe wesentlich trennender wirken, als ein erhöhter Bischofsstuhl. Angesichts der offensichtlichen feudalen Verhältnisse, erscheint die verbrüdernde Attitüde eines verfügten neuen Looks vielleicht etwas abgeschmackt.

Sponsoring des Ostens für den Ruhm ?

An der Geldknappheit des ostdeutschen Erzbistums könnte die Umsetzung der 
modischen bischöflichen Vision scheitern. Was wäre, wenn die Katholiken (zusätzlich zu ihren Kirchensteuern) lieber für sozial Sinnvolles als für den "historischen Fußabdruck" eines Kirchenfürsten ihr Geld geben würden? 

Die Spenden der Gläubigen, die den Umbau mitfinanzieren sollen, sind eine rudimentäre Form demokratischer Mitsprache. Da sei Gott vor! Dann müssen die Ostdeutschen eben mit ein paar dutzend Millionen Euro zu ihrem "Glück" gezwungen werden. Das hat Kardinal Woelki bei der Rückkehr in seine Heimat in der Kölner Kirchenzeitung mit jovialem Wohlwollen und blumiger Umschreibung so ausdrücken lassen:

"Unterstützung für Kirche im Osten
Bei allem Blick in seine Kölner Zukunft sorgt sich Woelki weiter auch um sein bisheriges Hauptstadtbistum. Besonders liegt ihm die Präsenz der Katholiken und der geplante Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale am Herzen. Dazu möchte er die relativ kleine und arme Kirche im Osten künftig von der betuchteren Kölner Erzdiözese aus unterstützen – und für die Idee auch andere Bistümer gewinnen. Der Neu-Kölner bleibt also ein bisschen ein Berliner." (Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln; Ausgabe 29/30 vom 18.07.2014, "Zurück in der Heimat"; letzter Abschnitt auf Seite 4)   Kirchenzeitung-Köln_2014_29-30.pdf

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