Befund
Wer in der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin nach der Hedwigskathedrale sucht, findet den im Februar 2025 aktualisierten Eintrag, der keinen Hinweis auf die bereits erfolgte Zerstörung der darin beschriebenen Innengestaltung enthält. Die offiziellen Angaben trügen und Kulturinteressierte werden getäuscht.
Das denkmalgeschützte Raumkunstwerk im Inneren der Hedwigskathedrale, deren Gestaltung 1963 vollendet war, wurde vom Erzbistum Berlin von 2019 bis 2021 "vollständig vernichtet", entsprechend der im Auftrag von Erzbischof Koch vor Gericht dargelegten Absicht.
Bedeutung des Denkmalschutzes
In Deutschland wird dem Denkmalschutz wenig Bedeutung beigemessen, sodass dem Landesdenkmalamt, das sich vergeblich für den Erhalt des Denkmals einsetzte, in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen ist. Der Denkmalschutz soll das Interesse der Allgemeinheit, gesellschaftsprägende Kulturgüter zu erhalten, gegenüber abweichenden Privatinteressen von Immobilienbesitzern vertreten. Doch das deutsche Denkmalrecht stärkt die Macht der Besitzenden zu Lasten von Kulturgütern, die für die Allgemeinheit bedeutend sind.
Deutsches Denkmalschutzrecht
Der Kunst geht's schlecht.
nach deutschem Recht.
Nur wer besitzt,
der wird beschützt.
Besitz und Geld
prägen die Welt:
Des Strebens Sinn
sei der Gewinn.
Da ist Kultur
oft störend nur.
Wenn Gier und Macht
das Maß verlacht,
wird Geld zum Gott,
Kultur zu Schrott.
Gründe für die vom Erzbistum Berlin betriebene Denkmalzerstörung
Wie konnte es dazu kommen, dass ein Denkmal deutsch-deutscher Zusammenarbeit, in der Zeit der politischen Teilung während des kalten Krieges zerstört wurde? Die Gestaltung des Inneren der nach der Kriegszerstörung wiederaufgebauten Hedwigskathedrale war das Werk von Künstlern aus Ost und West. Warum wurde dieses authentischste Denkmal der deutschen Einheit durch den brachialen Umbau des Erzbistums Berlin vollständig vernichtet?
- Weil kurzsichtige Partikularinteressen von Besitzenden die langtristigen Interessen der Allgemeinheit ungehindert verletzen können.
- Weil anachronistische Privilegien von Kirchen zur Vernichtung von Kulturgut ausgenutzt wurden.
- Weil klerikale Dekadenz sich mit revisionistischer Politik gegen Kunst und Kultur zusammenrottete.
Fehlende Aufgabenerfüllung der Behörde
Gegen diese Übermacht aus Kapital und Politik hat der Denkmalschutz keine Mittel.
Doch das Verhalten des Landesdenkmalamts Berlin nach der erfolgten Denkmalzerstörung ist zu kritisieren. Beim "Tag des offenen Denkmals 2025" bewirbt das veranstaltende Landesdenkmalamt Berlin das Ergebnis der Denkmalzerstörung in dem mit staatlichen Mitteln finanzierten Programmkatalog.
Landesdenkmalamt Berlin ignoriert Denkmalvernichtung
Es wird den Denkmalvernichtern die Bühne geboten und dafür geworben, das Werk der Zerstörung in Führungen durch das Umbauergebnis anzupreisen. Kneipen, Kinos und Krämerläden sollen werben, aber in selbstfinanzierten Annoncen, wenn es keine Denkmale sind. Die beim "Tag des offenen Denkmals" als Kirche beworbene Veranstaltungshalle "Sankt Hedwig Mitte" hat im Inneren alle Denkmaleigenschaften eingebüßt und damit dürfte der Innenraum nicht Teil der Denkmalpräsentation sein.
Bereits 2020 hat der Verein Freunde der Hedwigskathedrale die zuständige Abteilungsleiterin, Dr. Ruth Klawun, aufgefordert, dem Erzbistum Berlin im Rahmen des Tages des offenen Denkmals nicht die Unterstützung zu gewähren, mit staatlichen Mitteln des Denkmalschutzes für Denkmalzerstörung zu werben.
Die neuerliche Kritik im Jahre 2021 versuchte Dr. Klawun mit ausweichenden Hinweisen zu begegnen, die aber nicht den Tatsachen entsprachen. In der Programmbroschüre des Landesdenkmalamtes konnte das Erzbistum Berlin für Besichtigungen der Denkmalzerstörung werben. 2024 wurde Dr. Klawun kritisch darauf angeschrieben, dass ihre Behörde dem Erzbistum Berlin Raum für ein halbseitige Anzeige in der Programmbroschüre offerierte, mit der für das Ergebnis der Denkmalzerstörung geworben wurde. 2019 forderten Mitglieder des Vorstands des Vereins Freunde der Hedwigskathedrale Frau Dr. Klawun in einem persönlichen Gespräch dazu auf, die Denkmaldatenbank dahingehend zu aktualisieren, dass der Verlust des denkmalgeschützten Inneren deutlich wird. Dr. Klawun reichte der faktische Abriss des denkmalgeschützten Innenausbau nicht aus. Die Aktualisierung würde erfolgen, wenn das Ergebnis öffentlich zugänglich sei. Seit 24.11.2024 ist die vollständige Vernichtung der denkmalgeschützten Merkmale der Innengestaltung offenkundig, doch die im Februar 2025 vorgenommen Aktualisierung der Denkmaldatenbank verschweigt die erfolgte Zerstörung der denkmalgeschützten Innenausstattung.
Wie ist die fehlende Aufgabenerfüllung der Verantwortlichen des Landesdenkmalamts zu erklären?
Ist es Saumseligkeit, Untätigkeit, Ignoranz, bewusste Täuschung oder Bestechlichkeit?
Offenbart sich darin eine wohlwollende Nachsicht mit dem Vorgehen der denkmalzerstörenden Kirche? Versprechen sich Denkmalschützer, die finanzkräftige Denkmalvernichter unterstützen, persönliche Vorteile?
Angesichts des Fehlverhaltens der Behörde ergeben sich offene Fragen.