Samstag, 7. Februar 2015

Karneval in Berlin – macht das Erzbistum Witze?

Die Moritat vom „Loch“, dem „Fleck“ und den Entfernern

Ein Weihbischof aus Kölschem Land
Ward in den Osten einst gesandt –
Zu Protestanten, Atheisten,
die wahren Glauben nie vermissten,
um mit beachtenswerten Werken
für höh’re Ämter sich zu stärken.
Purpurnem Hut und großer Ehre
folgt der Verdienst für harte Lehre:
Die Heil’ge Stadt gibt seinem Sohn
im Dom den höchsten Stuhl zum Lohn. [1] [2]

Es schaut mit Sehnen hier noch nach,
wem mahnend von dem „Loch“ er sprach. [3] [4] [5] [6] [7]
Den Boden wollten sie ihm glätten,
die länger gern ihn bei sich hätten.
Man hört sie nur mit leisem Zagen
Zu dem Verluste klagend sagen:
„Nun ist er weg.
Es bleibt (s)ein Fleck.“ [8]

Schon rüsten sich die letzten Treuen,
den Aufgestiegenen zu ehren:
„Sein Denkmal hier würd’ ihn doch freuen,
Sein Ruhm damit auch unser’n mehren“ [10]


Die „Lösungen“ mit neuen Problemen

Der vom Erzbistum Berlin beauftragte Koordinator für die Sanierung und Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale, Dompropst Prälat Rother äußert sich in einem Beitrag der Katholischen Wochenzeitung „Tag des Herrn“ vom 18.12.2014. [9]

DOMPROPST PRÄLAT ROLAND ROTHER

stellt zur Qualität des Siegerentwurfs des Realisierungswettbewerbs fest:

„Letztlich hat das Gesamtkonzept überzeugt. Es bietet Lösungen zu den Problemen der Kirchenmusik“




Die Suche nach „Lösungen“ der großen neuen Probleme
Die folgende Skizze zeigt in den Bestandszeichnungen der St. Hedwigs-Kathedrale die Eintragung der Eingriffe, die sich aus dem Siegerentwurf ergäben, wenn er tatsächlich ausgeführt werden würde.
Die lila gefärbten Chormitglieder müssen zu Hause bleiben, die übrigen Helme tragen. Für  Besucher der Unterkirche bestünde ohnehin Helmpflicht.

St. Hedwigs-Kathedrale Berlin _Fehler der Umbauplanung nach dem Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs













Ausnahmen beim Unfallschutz gefragt:
Der Abgang durch die Treppenröhre in die Unterkirche auf eigene Gefahr
Die im Siegerentwurf dargestellte Treppe zur Unterkirche ist nach Baurecht unzulässig. Aber nach dem Denkmalschutz sollen auch andere Gesetze den Umbau nicht behindern. Helm auf und durch! ist die Devise (auch beim Vorantreiben der Umbaupläne).
In der Vorhalle der Kathedrale würden an einer geschmackvoll eingerichteten Ausgabestelle passende Schutzhelme mit dem Logo des Erzbistums Berlin ausgeliehen werden. So könnte sich das Unfallrisiko für diejenigen mindern, die sich durch den zu niedrigen Stollen der Abteufung in die geplante Taufkirche wagen.

St. Hedwigs-Kathedrale Berlin _Fehler der Umbauplanung nach dem Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs Längsschnitt




In diesem Ausschnitt aus der weiter oben gezeigten Übersicht ist ein schematischer Längsschnitt durch den geplanten Umbau der Kathedrale im Bereich des jetzigen Mitteleingangs und der Klais-Orgel dargestellt.
Kein Häuslebauer würde sich eine solche Kellertreppe, selbst wenn es erlaubt und billig wäre, auch nicht zum allerletzten Vorratsraum, gefallen lassen. Bei Bauwerken für die Öffentlichkeit schreibt aber die Bauordnung vor, dass eine lichte Kopfhöhe von 2,00 m niemals unterschritten werden darf, wie es beim Siegerentwurf der Fall ist.
Was hat eigentlich die hochgradig besetzte Jury des Wettbewerbs getan, als sie die Entwürfe prüfen sollte, dass sie für diese eigentümliche Auffassung von Lösungen den ersten Preis vergab?



Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale sucht:
  Kleine Knaben für tiefe Lagen
–  Stimmen, die im Liegen singen
Wenn der Umbau entsprechend dem Siegerentwurf ausgeführt und dabei die Klais-Orgel nicht abgerissen werden würde, wie es der Koordinator des Erzbistums versichert, hätte der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale große Personalprobleme. Dies gilt trotz der Tatsache, dass sich die Mitgliederzahl des Normalchors erheblich reduzieren müsste, weil auf dem festen Podest für den Chor nur noch etwa 18 Sänger Platz fänden. Der überzählige Rest kann in der Reserve bleiben und sich vorbereiten, um bei den Umrüstungsarbeiten mithelfen zu können, die bei jeder musikalischen Gestaltung notwendig werden, bei der mehr Musiker mitwirken.
Auf dem dritten Chorpodest dürfen die Sänger max. 1,10 m groß sein. Im Moment fehlen die Mitglieder, die dort singen könnten. Gegen die Verletzungsgefahr, auch auf den anderen Stufen des Podests, würden die Singenden natürlich mit Schutzhelmen gewappnet sein. Wer ein exzentrisches Interesse an bizarren Herausforderungen hat, kann an diesen „Lösungen“, die im o. g. Artikel des erzbischöflichen Koordinators gelobt werden, gern teilnehmen.

St. Hedwigs-Kathedrale Berlin_Fehler der Umbauplanung nach dem Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs Querschnitt

In diesem Ausschnitt aus der weiter oben gezeigten Übersicht ist ein schematischer Querschnitt durch den geplanten Umbau der Kathedrale im Bereich des jetzigen Mitteleingangs und der bestehenden Orgel dargestellt.
Im schematischen Querschnitt durch die Kathedrale blickt man hier auf die Klais-Orgel, die erhalten bleiben soll. Dompropst Rother stellte am 19.01.2015 klar, „die Ausschreibungsunterlagen für eine Sanierung/Umbau der Kathedrale sehen vor, dass die Klais-Orgel erhalten bleibt!“ (s. auch Klausurtagung in der Kath. Akademie vom 31.10.2014). Von den Planern aber war die bestehende wertvolle Orgel aus deutlich ersichtlichem Grund (s. Skizzen) zur Verschrottung vorgesehen worden. Sie wollten zu viele Funktionen unter der Orgel zusammendrängen, um in ihrem Entwurf an anderer Stelle Weiträumigkeit vorgaukeln zu können. In ihrem Siegerentwurf ist das allerdings gründlich schief gegangen.

Wann wird die Fortführung der Umbaupläne gestoppt, damit der künftige Erzbischof unbedrängt entscheiden kann? Es ist nichts von planerischen Vorbereitungen für die gleichberechtigte Alternative „behutsame Sanierung“ statt eines „Komplettumbaus“ zu hören oder zu lesen. Welche Mittel sind dafür freigegeben und reserviert? Welches Büro arbeitet daran?

Vieles wäre besser als die oben dargestellten Peinlichkeiten des Siegerentwurfs, an dem die Verantwortlichen aber unerschütterlich festhalten, trotz vieler unterstützender Hinweise sowohl von Gläubigen, als auch von kompetenten Fachleuten aus der Öffentlichkeit.
Macht die Leitung des Erzbistums vielleicht nur Witze in der Karnevalszeit?
Doch für einen Faschingsscherz wird die derzeit aufgeführte Farce „Umbauplanung“ bereits zu lange gespielt.


Quellen
Die Fußnoten des Textes beziehen sich auf die im folgenden aufgeführten Quellen, die zur Überprüfung oder Vertiefung des Themas im Einzelnen nachgewiesen sind.  Sie sind unter dem Button „Weitere Informationen“ abrufbar.



[1] Domradio über Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki zum Kölner Erzbischof ernannt
„Nach seinen Berliner "Lehrjahren" kehrt Woelki nun mit geschärftem Profil ins Rheinland zurück. In Köln hatte und hat er unter den Gläubigen stets Anhänger behalten, die ihn bei jedem Heimat-Besuch fragte, wann er endlich zurückkomme. Für sie hat sich das Warten gelohnt.“
Domradio.de_11.07.2014_Vom Rhein an die Spree und wieder zurück
[2] Express.de über Kardinal Woelki – Reaktionen auf die Ernennung
„Doch nach drei Lehrjahren in Berlin ist der 57-Jährige jetzt als Nachfolger von Kardinal Joachim Meisner in seine Heimatstadt Köln zurückkehrt.“
„Woelki ist eine kölsche Jung und kann Großstadt“, erklärte der Kölner Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Christoph Klausing.“
Express.de_11.07.2014_Erzbischof Woelki ist „eine kölsche Jung und kann Großstadt“
sp/dpa/epd
[3] Barbara Schock-Werner; pensionierte Dombaumeisterin, Köln; Fachpreisrichterin im Wettbewerb zur St. Hedwigs-Kathedrale
Kardinal Woelki, der ja aus Köln stammt, möchte gern die Berliner Hedwigskathedrale sanieren. Eine Aufgabe für Sie?
Schock-Werner: „Reizen würde mich das. Das klassizistische Gebäude ist durch den Wiederaufbau nach dem Krieg komplett verhunzt worden. Inzwischen steht aber der Wiederaufbau selbst – mit einem völlig hanebüchenen Loch in der Mitte – schon wieder unter Denkmalschutz. Also, das ist ein richtig heißes Eisen.“
Kölner Stadt-Anzeiger_28. 08. 2012_Dombaumeisterin - Abschied einer Meisterin
Das Gespräch führten Joachim Frank und Matthias Pesch.
[4] Kardinal Woelki
Kritik am Konzept des Architekten Hans Schwippert
Von Anbeginn stieß Schwipperts Konzept auf Kritik. Nun erhält sie durch Kardinal Rainer Maria Woelki neuen Nachdruck.
"Am Altar habe ich das große Loch vor mir", klagt der Berliner Erzbischof.
katholisch.de_01.11.2013 _Ärger um ein großes Loch
http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/kirche_2/131101_berlin_hedwigskirche~1.php
Von Gregor Krumpholz (KNA)
[5] Kardinal Woelki
 „Wenn ich am Altar die Messe zelebriere, fällt das Dialogische ins Loch.“
Der Tagesspiegel _30.06.2014 _Hedwigs-Kathedrale – Dom gelaufen
von Claudia Keller

 [6] Kardinal Woelki
Haben Sie bei Ihren Umbauplänen das Gefühl des Verlusts gerade bei Ostberliner Katholiken unterschätzt, das Maß an Kränkung auch, die Ihre Rede vom "Loch" bedeutete?
„Das Kränkende daran war mir anfangs nicht bewusst, weil mir gesagt worden war, alle in Berlin sprächen nur vom "Loch" - einem Begriff, den ich überhaupt erst hier kennengelernt habe. "Okay, Berliner Schnauze", habe ich gedacht. Dann hat man mir aber erklärt, dass das abwertend ist und es sich korrekt um "die Öffnung zur Unterkirche" handelt.“
Berliner Zeitung_29.08.2014_ „Ich habe in Berlin viel dazugelernt“
von Julia Haak und Joachim Frank
[7] Mitglieder der Domgemeinde St. Hedwig
Diskussion um Woelkis Saat
„Unter der Kirchenkuppel und mit Blick auf die Treppe, die in die Unterkirche führt – „das Loch“, wie Woelki diese bauliche Einzigartigkeit schmähte –, […]“
„Dass ihre Unterkirche „das Loch“ heiße, ist ihnen neu. Dort unten sei der Aufbewahrungsort für die geweihte Hostie, ihr Allerheiligstes.“
Der Tagesspiegel_14.07.2014_St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin - Beten ohne Kardinal Woelki
[8] Mitglieder der Domgemeinde St. Hedwig
Der Fleck in der Kuppel, den Kardinal Woelki markieren ließ
 „Im Dezember 2013 wies der damalige Erzbischof die Gläubigen in seiner Predigt auf eine helle Stelle in der Kuppel oberhalb der Orgel hin. Er hatte eine kleine Fläche reinigen lassen, um deutlich zu machen, wie viel Staub sich in fast 50 Jahren angesammelt hatte, in denen die Kathedrale nicht saniert worden war. Wie wirkt man der Verschmutzung entgegen?
Ein Witz empfiehlt zur Entfernung eines Flecks auf einem Kleidungsstück  – eine Schere.
Was war hier zu tun? Der erstaunten Gemeinde wurde bekanntgegeben, dass statt der überfälligen Pflege und Sanierung der Kathedrale, ein Wettbewerb zur baulichen Umgestaltung das Problem lösen wird. Alle Vorbereitungen seien bereits abgeschlossen. Schon bald würde ein Entwurf prämiert werden, der Pläne für einen Umbau zeigen wird.
Dies war kein Witz. Der Erzbischof Kardinal Woelki entschied sich tatsächlich für eine „Sanierung“ – mit der Brechstange.“
Zitiert nach Berichten von Hörern der „Loch“-Predigten von Kardinal Woelki in Gottesdiensten ab November 2013
[9] Dompropst Rother für das Erzbistum Berlin
„Wir haben einen sehr offenen Wettbewerb ohne große Vorgaben ausgeschrieben, weil wir selbst keine Lösungen für alle Fragen vorgeben konnten und wollten. Letztlich hat das Gesamtkonzept überzeugt. Es bietet Lösungen zu den Problemen der Kirchenmusik; alle Inklusionsfragen sind positiv beantwortet, eine klare Aufteilung in Kulturdenkmal, Memorialort und mehrfach gestaltete liturgische Orte sind gegeben … “
Tag des Herrn_18. 12. 2014_“Ein lebendiges Bauwerk“ – Interview und Diskussion zum Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale
Dompropst Prälat Ronald Rother, Koordinator des Erzbistums für Sanierung und Umgestaltung

[10] Denkmal St. Hedwigs-Kathedrale – verschiedene Beiträge im Blog im Internet
st-hedwig-berlin.blogspot.de
Auftrag und Kosten des Umbauplans außer Kontrolle? _08.12.2014
Treppe aus Liliput zur Taufkapelle – ein Scherz? _27.07.2014
Geister, die ich rief … Ergebnis des Wettbewerbs _01.08.2014
Preisrichterin mit vorgefasstem Urteil in der Jury?. _05.09.2014
Lange Fehlerliste, viel Abriss – kaum Gestaltung. _26.09.2014
weitere 18 Beiträge
von Theo Candor


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