Der denkmalgeschützte Innenraum der Hedwigskathedrale, 1963 von Prof. Hans Schwippert geschaffen, seit 2018 geschlossen und im Zuge eines Radikalumbaus in Verantwortung von Erzbischof Koch zerstört.

Donnerstag, 31. März 2022

Im Krieg Steine sammeln für Heiner Kochs Eintopf

Das jüngste Hirtenwort des derzeitigen Berliner Erzbischofs wurde 9 Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine veröffentlicht, worauf er aber nur beiläufig Bezug nahm. Sein eigentliches Thema ist eine PR-Aktion des Erzbistums Berlin in eigener Sache im Juni 2022, bei der es um Steinbrocken geht. Erzbischof Koch ruft Gläubige auf, handliche Steinstücke zu sammeln und im Juni 2022 zur Fronleichnamsmesse mitzubringen. Es erstaunt, welche absonderliche Priorität ein Kirchenverantwortlicher in diesen kritischen Zeiten setzt.
 
Gebrochene Steine sind Symbole für Krieg und Zerstörung

Es gibt gerade jetzt sehr viele Steine, die Granaten aus Mauern brechen, die von Dächern fallen oder die das Ergebnis von Zerstörungswut sind. Sollten deshalb auch geflüchtete Ukrainer Trümmer ihrer Wohnhäuser und Kirchen zu Kochs Fronleichnamsfest mitbringen? Berliner Katholiken werden die Bruchstücke des auf Anweisung von Heiner Koch zerschlagene Hochaltars der Hedwigskathedrale beitragen. Die Mitglieder der abgewickelten Pfarreien des Erzbistums Berlin könnten dem Beispiel des Diözesanbischofs folgen und die Altäre ihrer nicht mehr gebrauchten Kirchen als Steinbruch für Kochs merkwürdige Steinsammelaktion nutzen. Soll das Zusammentragen der Steine als Opfergang bei der Fronleichnamsliturgie zelebriert werden, bei der die Untergebenen und Unterworfenen aus allen beherrschten Gebieten Trümmer ihrer zerstörten Existenzen dem Potentaten ehrfürchtig und untergeben zu Füßen legen? 

Wozu lässt Heiner Koch Steinstücke sammeln? 
"Die kommen dann in einen großen Topf a'mal."
So lautet die Losung, die ein aus Krems kommender Designer
 im Auftrag des Erzbischofs den Kirchenmitgliedern vorgibt.
"… und dann wird ein Gussstein d'raus gemacht."

Wird sich als Attraktion des Fronleichnamsfestes 2022 im "großen Topf" inmitten der Versammelten eine Steinmühle befinden, die dann all die schmerzlichen Zeugnissen von Vandalismus, Zerstörung, Brutalität und Kulturlosigkeit vor den Augen der Menge zermalmen soll. Werden die Zuschauer die Pulverisierung von materiellen Zeugnissen bejubeln, die Zerstörung von Erinnerungen feiern und sich als Schöpfer einer neuen schöneren Welt wähnen?

Was wird mit all den steinernen Überresten und Bruchstücken geschehen?
Werden sich Zwerge einbilden, Riesen zu sein, die die zu Staub gemahlenen Lebenszeugnisse zu einer Masse verrühren, aus der sie ein gigantisches Idol, ein neues Götzenbild formen wollen. Ein passenderes Bild für die Entmündigung und Gleichschaltung von Menschen, die Auslöschung von Individualität, hätte sich ein Satiriker gar nicht ausdenken können, um die Strategie des kirchlichen Apparats zu entlarven, der nur auf Menschenbeherrschung und Machtsicherung ausgerichtet ist. Besonders perfide ist dabei natürlich für Christen, dass sich Kirchenfürsten dazu des Evangeliums als nützliches Instrument und Spruchreservoir bedienen.

Bruchstücke des in Kochs Auftrag zerschlagenen Altars der ehemaligen Hedwigskathedrale im Schuttcontainer am 06.09.2019
 
Kehrtwende in der Kirchengeschichte
– Von Paulus zu Saulus

Geschichte verläuft nicht geradlinig. Zuweilen wiederholen sich längst überwunden geglaubte Zustände, treten gegenläufige Entwicklungen ein. Mit Kochs Hirtenwort in der Zeit des Krieges in Europa fühlen sich Gläubige zurückversetzt in eine frühe, dunkle Zeit der Apostelgeschichte.

Die Steinigung von St. Stephanus
Ehemals war es Stephanus, den es traf. Saulus bewachte die Kleidung, während die Werfer zur Tat schritten. Saulus hatte Wohlgefallen an seinem Tode und begann danach Christen zu verfolgen,. "Saulus aber versuchte die Kirche zu vernichten." lesen wir in der Apostelgeschichte. (Auch Erzbischof Koch ließ "Vernichtung" offiziell verkünden: "Im Zuge des Umbaus der St. Hedwigs-Kathedrale wird das Gesamtkunstwerk vollständig vernichtet.")
Die Steinigung des Heiligen Stephanus_Holzstich von Julius Schnorr von Carolsfeld
 
Die Steinigung von St. Hedwig
Heute ist das Volk wieder aufgerufen, sich mit Steinbrocken in handlicher Größe auszurüsten. Die von Erzbischof Heiner organisierte Aktion, bei der die Steine zum Einsatz kommen, mag der Vorgeschmack auf den künftigen Kult im neuen Tempel sein. Im Mittelpunkt steht ein runder Trog, um den sich Menschen im Stuhlkreis scharen sollen. Man versammelt sich in der Runde, einen Steinwurf entfernt um das ausgemachte Ziel.

Es gibt Eintopf in der Koch-Show
"Die kommen dann in einen großen Topf a'mal (…) und dann wird ein Gussstein d'raus gemacht." beschreibt Zogmayer das Ziel der Sammelaktion von Bruchstücken, für die Erzbischof Koch in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit warb.
Der Text erinnert an eine Kochshow im Fernsehen, doch hier wird ein 60-Millionen-Projekt des Erzbistums Berlin propagiert, das zu einem Drittel aus staatlichen Mitteln finanziert wird.  
Die rbb-Abendschau vom 06.03.2022 berichtete von Heiner Kochs Dreharbeiten zum Werbevideo für seine Trümmersteine-Sammelaktion zu Fronleichnam. Darin erklärt Kochs persönlicher Theologe und Ideengeber, Leo Zogmayer, dann auch noch, wie Kirche von heute im Unterschied zu allem, was es vorher gab, auszusehen hat. Die Zukunft des Berliner Erzbistums liegt in Zogmayers Vergangenheit, und zwar in der "Altar" genannten  Kopie der Halbkugel, die Zogmayer schon 2009 an ein Westerwälder Kloster in Tebarz-van Elsts Bistum verkaufte. Heiner Koch lässt sich diese alte Kamelle aus der Provinz als Neuigkeit für seine vermeintliche "Hauptstadtkathedrale" andrehen.
 
Im Krieg Steine sammeln für Heiner Kochs Eintopf: "Die kommen dann in einen großen Topf a'mal"


Designkult statt Theologie
Ein geometrisches Objekt aus Gussstein soll zum Mittelpunkt einer andächtigen Versammlung werden. Abstraktes Design statt christlich inspirierter Gestaltung. Mit Baustahl wird eine halbierte Betonkugel gegen Wippen und Wanken in der neuen Stahlbetondecke arretiert, die die Unterkirche gegen den Versammlungssaal abschließen soll. Alles ist steinern, starr, leblos. Mit eingebetteten Steinen will Erzbischof Koch das Formstück in einen Altar verwandeln.

Aus theologischer Sicht sollte dagegen ein Altar mit dem Leben verbunden sein. Ein Altar symbolisiert Christus, sein Opfer, seine Auferstehung und unsere Erlösung. Deshalb werden Erinnerungen an das Leben von Märtyrern vorzugsweise in den aus edlen Materialien gefertigten Opfertisch integriert.
Nicht so in der zur Veranstaltungshalle entstellten ehemaligen Hedwigskathedrale.

Nicht Herzen werden bewegt, sondern Steine gesammelt.
Wo Theologie fehlt, wird Theater gewählt,
statt Zeremonie gibt es Zirkus
in der neuen Koch-Arena.

Welche Posse wird folgen aus Kochs unerschöpflichem Quell an Unsinn und Peinlichkeit?