Der denkmalgeschützte Innenraum der Hedwigskathedrale, 1963 von Prof. Hans Schwippert geschaffen.

Freitag, 30. August 2019

Kunstvernichtung durch das Erzbistum Berlin

Erzbischof Koch will die „vollständige Vernichtung des Gesamtkunstwerks“ im Inneren der Hedwigskathedrale

Offenlegung der geheim gehaltenen Strategie

Erzbischof Koch proklamiert Offenheit und Transparenz in der von ihm geleiteten Diözese Berlin der römisch-katholischen Kirche, doch bedenkenswerte Aussagen der Rechtsvertretung des Erzbischöflichen Ordinariats Berlin waren bisher verborgen geblieben.

Der Vergleich mit seinen bisherigen öffentlichen Aussagen und denen weiterer Verantwortlicher des Erzbistums Berlin ermöglicht eine gründliche Beurteilung von tieferen Ursachen, tatsächlichen Beweggründen und eigentlichen Zielen des geplanten Radikalumbaus der Hedwigskathedrale.

Das Erzbischöfliche Ordinariat lässt von seiner Rechtsvertretung weitläufig ausführen, weshalb Erzbischof Koch im denkmalgeschützten Inneren der St. Hedwigs-Kathedrale „die vollständige Vernichtung des Gesamtkunstwerks“ plant:


Zitat aus einer Stellungnahme an das Landgericht Berlin _Seite 1
„Es bleibt dabei: Im Zuge des geplanten Umbaus der St. Hedwigs-Kathedrale wird das streitgegenständliche Gesamtkunstwerk der Urheber vollständig vernichtet.“

Wer Interesse am vollständigen Wortlaut der Stellungnahme hat, die das Erzbischöfliche Ordinariat durch seine Rechtsvertretung beim Landgericht Berlin am 28.06.2019 einreichen ließ, wird im Rahmen der von Erzbischof Koch zugesagten Transparenz das Dokument auf Anfrage sicher erhalten, um die Beweggründe für die vom Erzbischof geplante „vollständige Vernichtung des Gesamtkunstwerks“ im Innern der St. Hedwigs-Kathedrale im Einzelnen zu erfahren.

Hier werden nur Zitate aus einzelnen Seiten der 20 Seiten umfassenden Stellungnahme wiedergegeben.


Beispiele für die zahlreichen unzutreffenden Behauptungen und nicht plausiblen Darlegungen der Vertreter des Erzbistums Berlin sollen hier zur Verdeutlichung als Zitate herausgegriffen werden.

Zitat Seite 6
„Durch die Anordnung des Altars am Rand der Öffnung zum Untergeschoss kann der Altar nicht umschritten werden.“


Diese durch das Römische Messbuch und Stellungnahmen von Liturgieexperten und Theologen längst widerlegte unzutreffende Behauptung Woelkis von 2014 wird auch 2019 gegen jede Vernunft bei Gericht wieder vorgebracht.



Zitat Seite 8
„… erschließt die vertikale Strukturlinie die Wahrnehmung ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umspannenden Diachronizität sowie ihrer theologischen Dynamik in der Spannung von Katabase (Herabstieg Gottes zu den Menschen) und Anabase (Hinaufstieg des Menschen zu Gott)."

Wenn die Confessio der Hedwigskathedrale mit massivem Stahlbeton verschlossen würde, wäre eine "Wahrnehmung" nicht mehr möglich. Die sinnliche Erfahrung des "Herabstiegs" und "Hinaufstiegs" bietet allein die Innenraumfassung Prof. Hans Schwipperts. Durch die beim Umbau geplante Stahlbetondecke erschließt sich keine "vertikale Strukturlinie" mehr.

Das sogenannte "liturgische Konzept des Umbaus" ist nichts als eine wortreiche Schwafelei des Designer Zogmayer zur Rechtfertigung seines dürftigen Entwurfs. Bei der Beantragung der denkmalrechtlichen Genehmigung 2017 haben Erzbischof Koch und Dompropst Przytarski sich dieses Textes bedient und den Inhalt als „theologisch-liturgisches Gesamtkonzept des Erzbischofs" verwendet. Nicht ein Theologe oder Bischof soll die Liturgie im Erzbistum Berlin bestimmen, sondern ein honorarorientierter Designer?


Zitate Seite 11
„Wie bereits in unserem letzten Schriftsatz ausgeführt, erfolgt im Rahmen des geplanten Umbaus der St. Hedwigs-Kathedrale eine vollständige Entfernung des streitgegenständlichen Gesamtkunstwerks."

„Die geplante ganzheitliche Überformung des Kircheninnenraums, die mit der Entfernung sämtlicher Elemente des Gesamtkunstwerks, einschließlich aller Elemente der Innenausstattung einhergeht, steht in der Tradition zu den großen "Renovierungen", wie sie in der Vergangenheit von Max Hasak (1883 – 1887) und Clemens Holzmeister (1929 – 1932) und Hans Schwippert (1956 – 1963) vorgenommen wurden, und entspricht diesen in Duktus und Veränderungsform."

Die plumpen Versuche der Rechtsvertretung des Erzbistums Berlin, das Gericht zu täuschen, sind atemberaubend. Hat Erzbischof Koch in vier Amtsjahren nicht einmal die Zeit gefunden, ein wenig über die Geschichte der Bischofskirche zu lesen?
Mit der verfehlten Bezeichnung "Renovierungen" wird versucht, das Gericht irrezuführen.
1887 erfolgte die Fertigstellung der seit 1773 unvollendeten Hedwigskirche.
1932 war eine Nutzungsänderung baulich zu fassen. Da die Hedwigskirche zur Bischofskirche wurde, waren umfangreiche Änderungen notwendig, die eine Umgestaltung veranlassten.
Den mühsamen und entbehrungsreichen Wiederaufbau der 1943 kriegszerstörten Hedwigskathedrale als "Renovierung" zu bezeichnen, kann nur als zynisch verurteilt werden. Wie konnte Erzbischof Koch zulassen, dass in seinem Namen derartig demagogische Texte an ein ehrwürdiges Gericht gesandt wurden?


Erzbistum Berlin täuscht Behörden und Gerichte

In den Medien spricht Erzbischof Koch von „Sanierung“ und „Renovierung“ –
verborgen vor der Öffentlichkeit soll vor Gericht „Vernichtung“ eingeklagt werden.

Propaganda, Irreführung oder Täuschung? Es verwirrt die Gläubigen, wenn derselbe Mund in Predigten zu Wahrhaftigkeit aufruft, der seine „Überzeugungen“ seinen wechselnden Wünschen und Zielen anpasst.
Die vermeintliche „neue Theologie“, die bisherige Bistumstradition abwerten
und abwickeln will, erweist sich eher als sektiererischer Irrweg und nachträgliche Rechtfertigung von Woelkis Umbauwunsch.

Nur um Woelkis „Herzensanliegen“ (1)  zu entsprechen, ihm seine Höhenangst vor einem „Loch“ zu nehmen, will sein Nachfolger Koch die Confessio schließen, deren theologische Bedeutung sich ihm, wie Woelki, wohl nie erschloss.





Fußnote (1) _Quelle des Zitats:

Interview von Gregor Krumpholz für die Katholische Wochenzeitung  „Tag des Herrn“ mit Erzbischof Koch zum Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale _veröffentlichtam 04.09.2019 im "Tag des Herrn"
kna: Inwieweit engagiert sich Kardinal Woelki als Initiator des Projekts in besonderer Weise noch dafür?
Erzbischof Koch: „Es ist ihm ein Herzensanliegen. Ich spreche bei fast jeder Begegnung mit ihm darüber.“

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